Johnny Strange, Mitglied der Band Culcha Candela, hatte bereits einige Musik- und Mode-Events zur Unterstützung seines Heimatlandes Uganda veranstaltet, als wir uns kennenlernten. Sein jüngstes Projekt "Afrika Rise " unterstützt durch Veranstaltungen und den Verkauf des Musik Samplers "Rhymes 4 Creation" den Ausbau einer Berufsschule unweit von Kampala. Ich habe John beim Gestalten des Samplers unterstützt und John war es, der das "World Peace Walls"- Projekt meinen aktuellen Förderern vorgestellt hatte. Danke, Bruder! Ohne Dich wäre vieles nicht möglich gewesen! Uns verbindet, dass wir beide mit Musik und Kunst etwas bewegen, unsere Generation auffordern, etwas zu tun, zu helfen, damit anderen geholfen werden kann. So lag es nahe, dass wir auch in Uganda zusammen arbeiten würden. Uganda, ein Land, das seit vielen Jahren in Konflikte und Kriege verwickelt ist, ist nach den jüngsten Massakern im Norden durch den Einfall der "Lord Resistance Army"(LRA) bis heute noch nicht befriedet. Die LRA operiert vom Sudan aus und terrorisiert die Bevölkerung. Im August 2006 wurde zwar eine Waffenruhe vereinbart, sie wurde jedoch am 4. Oktober 2006 durch die Regierung Musevenis bereits gebrochen. Ich hatte mich vorher nur sporadisch mit der Geschichte des Landes befasst. Bei Freunden von Johns Familie, die uns in Kampala herzlich aufgenommen hatten, sahen wir uns nun den Film "Lost Children" des Berliner Regisseurs Oliver Stoltz an: Hier erzählen ehemalige Kindersoldaten, die von der LRA verschleppt wurden, über ihre grauenvollen Erlebnisse im Busch. Ich habe nie geglaubt, dass Menschen in der Lage sein könnten, Kindern so etwas anzutun! Die Dokumentation weckte, in Anbetracht dessen, dass wir am nächsten Morgen nach Gulu, der Hauptstadt des Nordens, fahren wollten, um genau dort eine "Peace Wall" zu malen, ernsthafte Zweifel in mir, ob das das Richtige sei. Die Menschen dort brauchten doch ganz andere Hilfen als ausgerechnet ein Bild für den Frieden, nur, weil ich mir das in den Kopf gesetzt hatte. Mit einem Gefühl der Ungewissheit machten wir uns auf den Weg. Peter Kafuma, Johns Onkel, und dessen Freund Paul begleiteten uns.Unser Toyota Corolla war mit Farben und Gepäck vollgestopft. Die Straße war ein Abenteuer für sich. Acht Stunden lang durchrüttelten uns unzählige Schlaglöcher -die uns einen Reifen kosteten- fuhren wir durch wunderschöne Landstriche, an Wasserfällen vorbei und durch kleine Dörfer, wo wir von den Einheimischen mit Schaschlikspießen und gekochten Bananen versorgt wurden. Selbst lebende Hühner wurden uns durchs Fenster gereicht. Kurz nach unserer Ankunft trafen wir Lina Sedriga, eine Richterin und Frauenaktivistin. Sie hatte gute Beziehungen zur lokalen Regierung und wollte uns bei unseren Vorhaben behilflich sein. John war auf der Suche nach einem geeigneten Platz für eine Bühne als Plattform zum Kulturaustausch, was die örtlichen Behörden sehr befürworteten, da die Kultur des Nordens durch den Krieg sehr in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Die Bühne sollte in Zusammenarbeit mit der durch "Afrika Rise" unterstützten Berufsschule gebaut werden. Lina zeigte uns gleich mehrere mögliche Stellen, wo wir sowohl die "Peace Wall" als auch die Bühne realisieren konnten. Danach lud sie uns zum Essen mit dem Sprecher der lokalen Regierung ein. Dieser zeigte sich sehr dankbar für unser Engagement in Gulu und schlug vor, das Bild doch um das Eingangsportal des "Local District Council Headquarters" zu anzubringen. Dort wurden gerade bei unserer Ankunft neue Friedensverträge zwischen Regierung und LRA ausgearbeitet. Ein Treffen mit dem Bürgermeister am nächsten Morgen besiegelte unser Vorhaben. John stimmte dem Vorschlag der Politiker zu, mit Hilfe von seinem Onkels und dessen Schülern ein Friedensdenkmal vor dem Rathaus zu bauen. Mein Vorschlag wurde gerne aufgegriffen: Ein großer Elefant -das Wahrzeichen Gulus- sollte ein Kind mit einer Friedenstaube auf dem Rücken tragen. Am Nachmittag begannen wir mit dem Abbürsten und Streichen des Rathauses. Dank des enormen Engagements von Speaker Martin, der uns zu allen lokalen Radiosendern einlud, wurden wir in Gulu bekannt wie bunte Hunde. Wir berichteten über unsere Projekte und der Song "African Children" von Culcha Candela, der von der politischen Situation in Uganda handelt, wurde "rauf und runter" gespielt. Täglich kamen mehr Leute dazu, die uns beim Streichen halfen oder uns mit Köstlichkeiten der lokalen Küche versorgten. Fünf Tage später war das Rathaus wie verwandelt: Zwei symmetrische Friedenstauben prangten im Giebel, die ugandische Flagge mit dem Kronen-Kranich in der Mitte der Gebäudefront. Rechts sprühte ich einen traditionell gekleideten Ajoli-Tänzer, links eine Mutter, heimische Früchte in einer Schale auf dem Kopf tragend. Auf den seitlichen Mauervorsprüngen findet sich der Spruch "Timo Kica Kelo Kuc", was auf Ajoli bedeutet: Vergebung bringt Frieden. Diese Weisheit sollte in allen Krisengebieten zum Tragen kommen, denn so, wie es schon der Bibelspruch "Du erntest, was Du säst" verdeutlicht, wird Hass und Gewalt immer wieder Gegengewalt erzeugen. Nur Vergebung heilt Konflikte. Eine Theatergruppe aus dem Flüchtlingscamp Coope, die aus Witwen und Waisen sowie ehemaligen Kindersoldaten besteht, verarbeitet Ihre Traumata in Tanz und Schauspiel. Wir luden sie ein, um ihnen die Möglichkeit zu geben, ihren persönlichen Wunsch und ihr Siegel per Handabdruck für den Frieden in Norduganda auf der Wand des Rathauses zu hinterlassen.